Mistel (Viscum) | Pflanze des Monats Dezember

Die Mistel (Viscum album) gehört einer Pflanzenfamilie an, deren rund 1400 Arten auf Bäumen als Halbparasit gedeihen. Der lateinische Name bezieht sich auf die weiße klebrige Masse, die man aus den weißen Beeren gewinnen kann. Von den Römern wurde diese zum Vogelfang verwendet. Die in unseren Breiten vorkommende Art ist häufig auf Linden, Pappeln und Apfel- und Birnenbäumen anzutreffen. Als besonders kostbar galt die Mistel des Eichenbaumes. Die Verbreitung der Mistel von Baum zu Baum erfolgt vor allem durch Drosseln und Amseln, die die unverdauten Scheinfrüchte auf den Baumstämmen hinterlassen und die dort dann in Folge Wurzeln schlagen.

Die Verwendung der Mistel geht auf Hippokrates und damit auf vorchristliche Zeiten zurück. Bis ins Mittelalter gehörte sie zu den wichtigsten Arzneipflanzen, deren Wirkweise abhängig war vom Baum, auf dem sie wuchs. Zu Heilzwecken wird die Mistel bei nervösen Herzstörungen eingesetzt, auch wirkt sie blutdrucksenkend und harntreibend. Die wirksamen Bestandteile sind Glykoproteine und Viscotoxine. Sehr etabliert hat sich die Anwendung der zytotoxischen und immunmodulierenden Mistel in der antroposophischen Medizin als Palliativtherapie bei malignen Tumoren.

In der Mythologie und im Aberglauben spielte die Mistel auch eine sehr große Rolle. Sie durfte nur mit einer goldenen Sichel geerntet werden zu bestimmten Zeiten des Jahreskreises und verlor ihre Wirkung, wenn sie den Boden berührte. Diesen mystischen Bezug kann man auch immer noch im segenbringenden Brauch, sich unter dem Mistelzweig zu küssen, gut erkennen.

Mag. Johanna Lanzer